Kirchensteuer auf das Gehalt: 8 % oder 9 %?
Die Kirchensteuer beträgt grundsätzlich 8 Prozent in Bayern und Baden-Württemberg und 9 Prozent in den übrigen Bundesländern. Diese Prozentzahl wird aber nicht auf dein Bruttogehalt angewendet, sondern auf die dafür maßgebliche Steuerbemessungsgrundlage.
Bei Arbeitnehmern wird die Kirchenlohnsteuer zusammen mit der Lohnsteuer über die Gehaltsabrechnung einbehalten, wenn ein entsprechendes Kirchensteuermerkmal vorliegt. Kinderfreibeträge können die Bemessungsgrundlage verändern, obwohl sie die laufende Lohnsteuer selbst nicht senken.
Mit unserem Brutto-Netto-Rechner 2026 kannst du die Kirchensteuer zusammen mit Lohnsteuer, Sozialabgaben und Nettogehalt berechnen.
Wie hoch ist die Kirchensteuer 2026?
2026 gelten in Deutschland zwei reguläre Kirchensteuersätze: 8 Prozent und 9 Prozent.
| Bundesland | Regulärer Kirchensteuersatz |
|---|---|
| Baden-Württemberg | 8 % |
| Bayern | 8 % |
| Berlin | 9 % |
| Brandenburg | 9 % |
| Bremen | 9 % |
| Hamburg | 9 % |
| Hessen | 9 % |
| Mecklenburg-Vorpommern | 9 % |
| Niedersachsen | 9 % |
| Nordrhein-Westfalen | 9 % |
| Rheinland-Pfalz | 9 % |
| Saarland | 9 % |
| Sachsen | 9 % |
| Sachsen-Anhalt | 9 % |
| Schleswig-Holstein | 9 % |
| Thüringen | 9 % |
Das Bundesportal bestätigt: In Bayern und Baden-Württemberg beträgt die Kirchensteuer grundsätzlich 8 Prozent, in den übrigen Ländern 9 Prozent der veranlagten oder im Abzugsverfahren erhobenen Einkommen-, Lohn- oder Kapitalertragsteuer. Die amtliche Übersicht findest du beim Bundesportal zur Berechnung der Kirchensteuer.
Wird die Kirchensteuer vom Bruttogehalt berechnet?
Nein. Die Kirchensteuer wird nicht mit 8 oder 9 Prozent vom Bruttogehalt berechnet.
Die vereinfachte Grundformel lautet:
Kirchensteuer = maßgebliche Steuerbemessungsgrundlage × Kirchensteuersatz
Ein häufiger Fehler ist deshalb:
4.000 € Brutto × 9 % = 360 € Kirchensteuer
Diese Rechnung ist falsch. Zuerst muss die für die Kirchensteuer maßgebliche Lohn- beziehungsweise Einkommensteuerbasis ermittelt werden. Erst darauf wird der Kirchensteuersatz angewendet.
Ist die Kirchensteuer immer einfach 8 oder 9 % der sichtbaren Lohnsteuer?
Nicht zwingend. Im normalen Fall liegt die Kirchensteuer nahe bei 8 oder 9 Prozent der Lohnsteuer, aber im Lohnsteuerverfahren kann die maßgebliche Kirchensteuer-Bemessungsgrundlage von der sichtbaren Lohnsteuer abweichen.
Das Bundesministerium der Finanzen veröffentlicht für 2026 einen Programmablaufplan, der neben Lohnsteuer und Solidaritätszuschlag ausdrücklich die Bemessungsgrundlage für die Kirchenlohnsteuer berechnet.
In der technischen BMF-Schnittstelle wird diese Bemessungsgrundlage als Ausgabeparameter BK bereitgestellt. Erst anschließend wird der im Bundesland geltende Kirchensteuersatz angewendet.
Das BMF erläutert diesen Ablauf in seinen FAQ zum Lohn- und Einkommensteuerrechner.
Unser Rechner verwendet deshalb ebenfalls die vom 2026-Steuerverfahren ermittelte Kirchensteuer-Bemessungsgrundlage und multipliziert nicht blind die sichtbare Lohnsteuer mit 8 oder 9 Prozent. Die technische Umsetzung ist unter Berechnungsmethode & Quellen dokumentiert.
Warum kann die Kirchensteuer-Bemessungsgrundlage von der Lohnsteuer abweichen?
Vor allem Kinderfreibeträge können dazu führen, dass für die Kirchensteuer eine angepasste Bemessungsgrundlage verwendet wird.
Beim laufenden Lohnsteuerabzug wirken sich Freibeträge für Kinder nicht auf die Höhe der Lohnsteuer selbst aus. Für Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer werden sie jedoch berücksichtigt.
Das bedeutet: Zwei Arbeitnehmer können dieselbe sichtbare Lohnsteuer haben, aber wegen unterschiedlicher Kinderfreibeträge eine unterschiedliche Kirchensteuer-Bemessungsgrundlage.
Genau diese Unterscheidung erklärt das BMF auch im amtlichen Lohnsteuerrechner 2026.
Mehr zur Wirkung der Kinderfreibeträge findest du unter Kinderfreibetrag 2026.
Beispiel: Wie werden 8 % oder 9 % Kirchensteuer berechnet?
Wenn die maßgebliche Kirchensteuer-Bemessungsgrundlage 6.000 Euro im Jahr beträgt, ergeben sich 480 beziehungsweise 540 Euro Kirchensteuer.
| Bemessungsgrundlage | Kirchensteuersatz | Kirchensteuer |
|---|---|---|
| 6.000 € | 8 % | 480 € |
| 6.000 € | 9 % | 540 € |
Die Differenz zwischen einem 8-%- und einem 9-%-Bundesland beträgt in diesem Beispiel 60 Euro pro Jahr.
Das Beispiel setzt eine bereits ermittelte Bemessungsgrundlage voraus. Es zeigt nicht, wie hoch die Bemessungsgrundlage bei einem bestimmten Bruttogehalt wäre.
Wer muss Kirchensteuer auf das Gehalt zahlen?
Kirchenlohnsteuer wird einbehalten, wenn der Arbeitnehmer einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft angehört und ein entsprechendes Kirchensteuerabzugsmerkmal vorliegt.
Das Kirchensteuermerkmal gehört zu den elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen (ELStAM). Der Arbeitgeber ruft diese Daten elektronisch bei der Finanzverwaltung ab.
ELSTER nennt unter den ELStAM ausdrücklich:
- Steuerklasse,
- Faktor bei Steuerklasse IV,
- Kirchensteuermerkmal,
- gegebenenfalls Kirchensteuermerkmal des Ehegatten oder Lebenspartners,
- Kinderfreibeträge,
- Frei- und Hinzurechnungsbeträge.
Die offizielle Übersicht findest du bei ELSTER zu den elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen.
Muss ich dem Arbeitgeber meine Kirchenzugehörigkeit selbst mitteilen?
Im normalen ELStAM-Verfahren erhält der Arbeitgeber das Kirchensteuerabzugsmerkmal elektronisch von der Finanzverwaltung. Änderungen wie Kircheneintritt oder Kirchenaustritt werden über die zuständigen Meldestellen beziehungsweise Finanzverwaltungsverfahren verarbeitet.
Der Arbeitgeber ist an die bereitgestellten ELStAM gebunden. Wenn ein Merkmal falsch ist, wird es nicht einfach durch eine eigenmächtige Änderung in der Lohnabrechnung korrigiert; die Korrektur muss über die zuständigen Stellen beziehungsweise das Finanzamt erfolgen.
Welche Rolle spielt das Bundesland?
Das Bundesland bestimmt im Standardfall, ob der reguläre Kirchensteuersatz 8 oder 9 Prozent beträgt.
Unser Brutto-Netto-Rechner verwendet für die Standardberechnung:
- Bayern: 8 Prozent,
- Baden-Württemberg: 8 Prozent,
- alle übrigen Bundesländer: 9 Prozent.
Das Bundesland beeinflusst damit nicht deine Lohnsteuer selbst, wohl aber den Kirchensteuerbetrag, wenn Kirchensteuerpflicht besteht.
Welche Rolle spielt die Steuerklasse?
Die Steuerklasse beeinflusst die Lohnsteuerberechnung und damit mittelbar auch die Bemessungsgrundlage der Kirchensteuer.
Deshalb kann dasselbe Bruttogehalt bei unterschiedlichen Steuerklassen zu verschiedenen Kirchensteuerbeträgen führen. Die Steuerklasse verändert aber nicht den landesrechtlichen Kirchensteuersatz von 8 oder 9 Prozent.
Mehr über die Lohnsteuerklassen findest du unter Steuerklassen 1 bis 6.
Wie hängen Lohnsteuer und Kirchensteuer zusammen?
Die Kirchensteuer baut auf der steuerlichen Lohnsteuerberechnung auf. Zuerst wird die Lohnsteuer nach den geltenden Regeln ermittelt; im selben Verfahren entsteht die für die Kirchenlohnsteuer relevante Bemessungsgrundlage.
Der endgültige BMF-Programmablaufplan für 2026 vom 12. November 2025 enthält ausdrücklich die Berechnung von Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und der Maßstabsteuer beziehungsweise Bemessungsgrundlage für die Kirchenlohnsteuer.
Die offizielle Grundlage findest du beim Bundesministerium der Finanzen.
Wie die Lohnsteuer selbst berechnet wird, erklären wir unter Lohnsteuer auf das Gehalt.
Zahlt man Kirchensteuer, wenn keine Lohnsteuer anfällt?
Im normalen lohnsteuerlichen Standardfall fällt ohne positive Kirchensteuer-Bemessungsgrundlage auch keine prozentuale Kirchenlohnsteuer an.
Für niedrige Einkommen kann der Kirchensteuerabzug daher null Euro betragen. Es gibt jedoch landes- und kirchenrechtliche Besonderheiten, etwa Mindestkirchensteuer oder andere Kirchensteuerformen, die nicht pauschal für ganz Deutschland gleich beschrieben werden können.
Unser Rechner bildet die reguläre prozentuale Kirchenlohnsteuer für Arbeitnehmer ab und weist Sondermodelle nicht als Standardergebnis aus.
Was ist die Kappung der Kirchensteuer?
Eine Kirchensteuer-Kappung kann die Kirchensteuer in bestimmten Bundesländern beziehungsweise bei bestimmten steuererhebenden Religionsgemeinschaften auf einen Anteil des Einkommens begrenzen.
Die genauen Voraussetzungen und Sätze sind nicht bundesweit einheitlich. Sie ergeben sich aus den Kirchensteuergesetzen, Kirchensteuerordnungen und Kirchensteuerbeschlüssen der jeweiligen Länder und Religionsgemeinschaften.
Das Bundesministerium der Finanzen weist bei seinem eigenen interaktiven Lohnsteuerrechner darauf hin, dass Besonderheiten wie Kappung der Kirchensteuer und Mindestkirchensteuer in der allgemeinen Oberflächenberechnung nicht berücksichtigt werden.
Auch unser Standardrechner modelliert solche besonderen Kappungs- und lokalen Sonderregeln derzeit nicht. fileciteturn35file0L11-L13
Was ist Mindestkirchensteuer?
Mindestkirchensteuer ist eine landes- oder kirchenrechtliche Sonderregel, bei der unter bestimmten Voraussetzungen ein Mindestbetrag erhoben werden kann.
Sie ist kein einheitlicher bundesweiter Bestandteil jeder Lohnabrechnung. Deshalb sollte sie nicht einfach pauschal in einen Deutschland-weiten Brutto-Netto-Rechner eingebaut werden.
Wenn eine solche Sonderregel für deinen konkreten Fall relevant ist, sind die Vorschriften deiner Religionsgemeinschaft und des zuständigen Bundeslands maßgeblich.
Was ist besonderes Kirchgeld?
Das besondere Kirchgeld ist eine besondere Form der Kirchensteuer in bestimmten glaubensverschiedenen Ehen oder Lebenspartnerschaften. Es kann relevant werden, wenn nur ein Partner einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft angehört und die Ehegatten gemeinsam zur Einkommensteuer veranlagt werden.
Die konkrete Erhebung ist nicht bundesweit identisch und hängt auch von der jeweiligen Religionsgemeinschaft ab. Die Deutsche Bischofskonferenz weist beispielsweise darauf hin, dass das besondere Kirchgeld nicht in allen Bistümern erhoben wird.
Das besondere Kirchgeld gehört daher nicht zur normalen monatlichen Standardformel „Bemessungsgrundlage × 8 oder 9 Prozent“ unseres Brutto-Netto-Rechners.
Was passiert bei konfessionsverschiedenen Ehepartnern?
Wenn beide Ehepartner verschiedenen steuererhebenden Religionsgemeinschaften angehören, können besondere Regeln für die Verteilung der Kirchensteuer gelten.
Bei gemeinsamer Einkommensteuerveranlagung kann die Kirchensteuer beispielsweise nach dem sogenannten Halbteilungsgrundsatz auf die beteiligten Religionsgemeinschaften verteilt werden. Bei glaubensverschiedenen Ehen, in denen nur ein Partner kirchensteuerpflichtig ist, können wiederum andere Regeln gelten.
Solche Ehegatten-Sonderfälle sind komplexer als die reguläre Einzelberechnung eines Arbeitnehmers und werden in unserem Rechner nicht vollständig als eigenständiges Kirchensteuer-Veranlagungsmodell abgebildet.
Kann man Kirchensteuer in der Steuererklärung absetzen?
Gezahlte Kirchensteuer kann grundsätzlich als Sonderausgabe bei der Einkommensteuer berücksichtigt werden, soweit die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Das bedeutet nicht, dass du die Kirchensteuer in voller Höhe „zurückbekommst“. Der Sonderausgabenabzug kann vielmehr das zu versteuernde Einkommen und dadurch die Einkommensteuer reduzieren.
Dieser spätere Effekt der Einkommensteuererklärung ist von der monatlichen Kirchenlohnsteuer auf deiner Gehaltsabrechnung zu unterscheiden.
Warum kann die Kirchensteuer auf der Steuererklärung anders aussehen als auf den Gehaltsabrechnungen?
Die laufend einbehaltene Kirchenlohnsteuer ist eine unterjährige Vorauszahlung auf die kirchensteuerliche Jahresbelastung. Bei einer Einkommensteuerveranlagung können sich durch die endgültige Einkommensteuer, Sonderausgaben, weitere Einkünfte oder besondere Ehegattenregeln andere Jahreswerte ergeben.
Die auf den Gehaltsabrechnungen einbehaltene Kirchensteuer wird bei der späteren Veranlagung entsprechend berücksichtigt.
Wie viel Kirchensteuer kostet mich ein höheres Gehalt?
Die zusätzliche Kirchensteuer lässt sich nicht allein aus der Bruttoerhöhung berechnen. Zuerst muss ermittelt werden, wie die Gehaltserhöhung die Lohnsteuer beziehungsweise die Kirchensteuer-Bemessungsgrundlage verändert.
Steigt die maßgebliche Bemessungsgrundlage zum Beispiel um 1.000 Euro, entspricht die zusätzliche Kirchensteuer bei unveränderten Voraussetzungen:
- 80 Euro bei 8 Prozent,
- 90 Euro bei 9 Prozent.
Das ist aber nicht dasselbe wie „1.000 Euro mehr Brutto kosten 80 oder 90 Euro Kirchensteuer“. Brutto und steuerliche Bemessungsgrundlage sind verschiedene Größen.
Häufige Fragen zur Kirchensteuer 2026
Wie viel Prozent Kirchensteuer zahlt man in Deutschland?
8 Prozent in Bayern und Baden-Württemberg, 9 Prozent in den übrigen Bundesländern. Der Satz wird auf die maßgebliche Steuerbemessungsgrundlage angewendet, nicht auf das Bruttogehalt.
Wird Kirchensteuer vom Brutto oder Netto berechnet?
Von keinem der beiden direkt. Maßgeblich ist eine steuerliche Bemessungsgrundlage, die aus der Lohn- beziehungsweise Einkommensteuerberechnung hervorgeht.
Ist Kirchensteuer immer 9 % der Lohnsteuer?
Nein. In Bayern und Baden-Württemberg gilt grundsätzlich 8 Prozent. Außerdem kann die Bemessungsgrundlage wegen Kinderfreibeträgen von der sichtbaren Lohnsteuer abweichen.
Wie viel Kirchensteuer zahle ich bei 5.000 € Lohnsteuer?
Wenn 5.000 Euro tatsächlich die maßgebliche Bemessungsgrundlage sind, wären es 400 Euro bei 8 Prozent oder 450 Euro bei 9 Prozent. Bei Kinderfreibeträgen oder Sonderregeln kann die relevante Bemessungsgrundlage jedoch abweichen.
Beeinflusst der Kinderfreibetrag die Kirchensteuer?
Ja. Kinderfreibeträge werden bei der Bemessung der Kirchensteuer berücksichtigt, obwohl sie die laufende Lohnsteuer selbst nicht reduzieren.
Kann der Arbeitgeber meine Kirchensteuer sehen?
Der Arbeitgeber erhält für die Lohnabrechnung das erforderliche Kirchensteuerabzugsmerkmal über das ELStAM-Verfahren. Die Lohnabrechnung weist die einbehaltene Kirchensteuer als eigene Steuerposition aus.
Berücksichtigt der Brutto-Netto-Rechner die Kirchensteuer-Kappung?
Nein. Unser Standardrechner berechnet die reguläre Kirchenlohnsteuer mit 8 beziehungsweise 9 Prozent auf die BMF-Bemessungsgrundlage. Besondere Kappungs-, Mindestkirchensteuer- und lokale Sonderregeln werden derzeit nicht separat modelliert.
Stand und Quellen
Stand: 2026 · zuletzt fachlich geprüft: 29. August 2026
Die regulären Kirchensteuersätze wurden anhand des Bundesportals geprüft. Die Berechnungslogik und die Bemessungsgrundlage für die Kirchenlohnsteuer orientieren sich am endgültigen BMF-Programmablaufplan 2026 vom 12. November 2025 und den FAQ des Bundesministeriums der Finanzen. Informationen zum Kirchensteuermerkmal stammen aus ELSTER.
Für die Einordnung in die gesamte Gehaltsabrechnung lies auch Abzüge vom Bruttogehalt. Die technische Umsetzung unserer Kirchensteuerberechnung findest du unter Berechnungsmethode & Quellen.
Recherche und Redaktion: Muzammal Amin
